Acht Frauen und ein Reitlehrer on Tour

 

 

Beim Reitausflug ins Wendland hat sich fast alles um das Pferd gedreht


Wieder einmal haben sich Mitglieder des Reitvereins Esslingen Anfang November unter der Regie von Reitlehrer Michael Köhler in den hohen Norden aufgemacht. Dort galt es, den wendländischen Sand unter die Hufe zu nehmen und den Schwenkbraten - der als Spezialität aus dem Hunsrück gilt und es aus nicht näher geklärten Umstanden auch auf die Speisekarte in dem Gebiet östlich der Lüneburger Heide geschafft hat - auf die Gabel zu spießen. Beides ist gelungen.
Vor dem hippologischen Vergnügen hat der liebe Gott die Entfernung gesetzt. Denn zuallererst galt es, mehr als 600 Kilometer unter die Reifen des Transporters zu nehmen, bis das Ziel frühmorgens um fünf im Kegel des Scheinwerfers auftauchte. Auf der Fahrt bewährte sich die Musik des Reitlehrers, der Kaffee der Raststätten und der freundliche Rat eines Lieferwagenfahrers, der uns nächtens durch das Niemandsland einer Baustelle navigierte, die gar keine war.
Pferde, Pferde, nichts als Pferde hieß es gleich am ersten Tag bei einer Führung durch den Stall von Züchter Thomas Kaiser in Lüsen, wo wir wieder sehr herzlich aufgenommen worden sind. Am Nachmittag widmete sich der Reitlehrer den Rössern in Lüsen, wir fuhren zum Reit- und Freizeithof Schulz. Dort durfte jeder die Erfahrung machen, „sein" Ausreitpferd auf einer Matschkoppel einzufangen, die ihrem Namen alle Ehre machte. Aber hier wird nicht gemeckert: Der Regen hatte rechtzeitig zum Ausritt aufgehört, die Wiesen waren weit, die Pferde brav. Und das Beste war: keine der Reiterinnen hat während der beiden Ausritte den wendländischen Boden küssen müssen. Tag zwei brachte sogar noch mehr Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde, mit einem längeren Weg, einem sonnigeren Wetter und einem schnelleren Schlussgalopp.

Ein Ausflug ins Landgestüt Redefin brachte einen kulturellen Dreh in die hippologische Unternehmung. Seit 1812 wird dort das Herzblut in die Zucht der mecklenburgischen Pferde gesteckt, mit allen bekannten Wirrungen, die den politischen Entwicklungen geschuldet waren - der Gestütsführer wusste die Ereignisse diskret zu umschreiben. Doch wir wollen nicht auf der Vergangenheit herumreiten: heute stehen in den Ställen wieder erstklassige Pferde - darunter auch ein direkter Nachkomme des Springpferdehengstes Baloubet du Rouet. Und die Gestütsgebäude erstrahlen in neuem Glanz. Nicht ohne Stolz erzählte der Führer bei einem Rundgang, dass in der neu erbauten Reithalle auch klassische Konzerte stattfinden, und das in prominenter Besetzung, gleich zur Premiere des Veranstaltungsreigens mit dem Leipziger Gewandhausorchester. Auch der bekannte und charmante Witz durfte bei dem Rundgang nicht fehlen: Sitzen drei Damen auf einer Bank, über ihnen prangt das Schild „Deckstation". Macht ein Mann ein Foto. Was schreibt der als Bildunterschrift? Richtig! „Auf der Wartebank".

Acht Damen hatte drei Tage Zeit, sich einmal so richtig auszupferden. Mit vielen neuen Eindrücken im Kopf und unzähligen überflüssigen Kalorien im Bauch ging es zurück nach Hause. Zu Mann, zu Maus und - wie könnte es anders sein - zum Pferd.