Abenteuer im Wendland

Der Kofferberg vorm Esslinger Reitverein am Freitagmittag war enorm. Wenn 6 Damen mit ihrem Reitlehrer übers Wochenende verreisen, kommt schon was zusammen - von den 7 Paar Reitstiefeln, Helmen und Gerten ganz abgesehen. Das war aber kein Problem für unseren 9-sitzigen Riesenbus.

Leider dauerte die Fahrt nach Lüchow im Wendland ewig (9 Stunden), was vor allem an einem bürokratisch ausgeklügelten Umleitungssystem rund um Salzwedel lag. Mit 2 Stunden Verspätung kamen wir endlich am Bahnhof an, um unser letztes Reitmitglied, Cara aus Berlin, aufzusammeln und zum Griechen in Lüchow zu fahren, wo schon die hungrige Fam. Kaiser und Hubertus Trapp saßen und warteten. Gesättigt und müde konnten wir kaum Notiz nehmen von unserem hübschen Landgasthof in Belitz, der malerisch umrundet von Klinkerhöfen und Feldern mitten im Nirgendwo ruht.

Am nächsten Morgen ging es bestiefelt direkt zum Reiterhof Schulze unserem ersten Ausritt entgegen. Auf der Fahrt kamen wir an vielen Pferdeweiden vorbei, die hier zum Alltagsbild gehören. Reitlehrer Köhler scherzte noch: hier müssen wir gleich unsere Pferde einfangen. Was er nicht ahnte: er hat Recht! Im Reitstall bekamen wir alle ein Pferd mit Namen zugeteilt, holten Sattel und Zaumzeug aus der Sattelkammer und packten alles in unseren Bus, um zur Schulpferdeweide zu fahren.

Dort fingen wir unsere Pferde ein, was bei dem einen oder anderen mit einiger Ausdauer verbunden war. Dann wurde aufgesessen und genau 2 Minuten später überraschte uns unsere nette Führerin Steffi erneut: Wir mussten erst mal einen Fluss durchreiten, der zwar nicht sehr breit und zugegebenermaßen auch nicht reißend, aber ordentlich tief war (Beine hoch wer ein Pony hat!). Kaum erholt hieß es "Angaloppieren" und bevor sich überhaupt einer beschweren konnte, waren wir alle schon dabei. Und da das irre Spaß gemacht hat und keiner runterfiel, war sofort super Stimmung, und wir konnten die Sonne, die weitläufigen Wiesen und Kiefernwälder, den Pfad am Grenzstreifen entlang und die herrliche Luft in vollen Zügen genießen. Absoluter Höhepunkt war eine riesige Wiese, die bis zum Horizont reichte, und auf der wir alle nebeneinander galoppierten, stundenlang, so schien es zumindest, und immer gerade aus der Sonne entgegen.

(Davon werden wir noch sehr lange träumen. Eigentlich fehlte nur noch ein Lagerfeuer, über dem ein selbstgeschossenes Präriehuhn brät, dazu Bohnen aus der Dose und Klänge einer Mundharmonika...) Nach gut 2 Stunden ging es erneut durch unseren Fluss und zurück zur Weide.

Glücklich hätten wir wohl nun wohl einfach nichts tun können, aber das war nicht drin, schließlich hatten wir viel Programm und nur 2 Tage Zeit. Also 20 Minuten Aufenthalt im Hotel und dann umgezogen ab in unseren Bus. Am Kaiserschen Hof bekamen wir vom Seniorchef eine Stallführung inklusive Bohnekamp-Aufwärmung. Danach sind wir viel durch die Gegend gekurvt, über holpriges Kopfsteinpflaster im Osten, durch malerische Orte, vorbei an Wiesen mit Pferden, Störchen und Rehen. Die Zeit haben wir uns mit Sekt trinken und viel plaudern vertrieben. Toll waren die Fahrt mit der Fähre über die Elbe und das Panoramakaffee in Dömitz oder so ähnlich. Vor dem Abendessen durften wir noch dem Freispringen der Dreijährigen bei der Familie Kaiser zuschauen.

Am nächsten Morgen waren wir bereits wieder bei den Kaisers, um deren Fohlen-, Stuten- und Hengstweiden zu besuchen, wo wir auch einige bekannte Pferdegesichter getroffen haben (Pauline zum Beispiel, mit dickem Babybauch).

Und dann durften wir endlich ein zweites Mal ausreiten, und das haben wir genauso genossen, wie am Tag zuvor.

Im Anschluss gings zum berühmten Bratkartoffelbuffet in den Lindenhof: verschiedene Sauerfleische, Roastbeef, Forelle und Lachs, Salat, Eier und Leberkäse, eingelegtes Gemüse und natürlich Bratkartoffeln bedeckten die Tafel und alle aßen so viel sie nur konnten.

Und dann mussten wir leider schon wieder nach Hause, diesmal viel schneller, als auf dem Hinweg und alle mit guter Laune, denn eines ist klar: Genau das machen wir wieder! (Bis dahin ist der Muskelkater bestimmt wieder weg.)